Energieausweis

Die Verbraucherschutzzentrale klärt auf:

„Der Energieausweis: Steckbrief für Wohngebäude

Die Gesetzeslage

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt Energieausweise zur Bewertung des energetischen Zustands von Gebäuden vor. Der Ausweis für Bestandsgebäude kann auf zwei unterschiedliche Arten ausgestellt werden: auf der Grundlage des berechneten Energiebedarfs des Gebäudes („Bedarfsausweis“) oder auf der Grundlage des gemessenen Energieverbrauchs der Bewohner („Verbrauchsausweis“).

Was steht im Energieausweis?

Der Energieausweis umfasst vier Seiten und eine Anlage mit Empfehlungen für kostengünstige Modernisierungen.

Energieausweis für Wohngebäude_Musterausweis, Seite 1Die erste Seite des Ausweises enthält allgemeine Angaben zum Gebäude, darunter die Adresse, das Baujahr des Gebäudes und der Anlagentechnik sowie die Anzahl der Wohnungen. Bei Energieausweisen, die nach 1. Oktober 2009 ausgestellt wurden, finden sich hier auch Aussagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Lüftungskonzept. Außerdem ist auf der ersten Seite vermerkt, welches Verfahren zur Berechnung der energetischen Qualität des Wohngebäudes eingesetzt wird. Erfolgt die Ermittlung auf Grundlage des berechneten Energiebedarfs, sind die Kennwerte für Energiebedarf aufSeite 2 ausgewiesen, bei der Ermittlung über den gemessenen Energieverbrauch werden die Kennwerte für Energieverbrauch auf Seite 3dargestellt.

Anhand von Vergleichswerten kann das Gebäude energetisch eingestuft werden. Seite 4 des Energieausweises enthält Erläuterungen zu den Berechnungsverfahren. Im Anhang werden für den Gebäudeeigentümer in knapper Form kostengünstige Vorschläge zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften des Gebäudes gemacht, sofern diese möglich sind. Sind kostengünstige Empfehlungen zur Modernisierung nicht möglich, ist dies vom Ausweisaussteller auf dem Formular zu vermerken.

Wer benötigt einen Energieausweis?

Der Verkäufer eines Hauses oder einer Wohnung muss dem potentiellen Käufer gemäß Energieeinsparverordnung einen Energieausweis zugänglich machen. Gleiches gilt gegenüber Mietern bei der Neuvermietung einer Wohnung bzw. eines Hauses. Der Energieausweis muss aber nur bei einem Nutzerwechsel vorgelegt werden, das heißt, wer im selbstgenutzten Wohneigentum bleibt oder nicht neu vermietet, braucht keinen Energieausweis. Baudenkmäler sowie alle Gebäude (auch Neubauten) innerhalb von Ensembles und Denkmalbereichen sind von der Ausweispflicht freigestellt.

Tipp

Auch wenn Sie Wohnung oder Haus als Eigentümer selbst nutzen und daher keinen Energieausweis benötigen, lohnt sich angesichts steigender Energiepreise in vielen Fällen eine Dämmung oderHeizungserneuerung. Wichtig ist eine fachkundige und unabhängige Beratung, damit die Maßnahmen gut aufeinander abgestimmt sind und fachgerecht durchgeführt werden.

Welcher Ausweis: Bedarf oder Verbrauch?

Der Energieausweis wird für das gesamte Wohngebäude erstellt. Es gibt zwei Arten zur Ermittlung der energetischen Qualität eines Gebäudes, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden:

  • Auf Grundlage des berechneten Energiebedarfs des Gebäudes (nachfolgend „Bedarfsausweis“ genannt):
    Die Energiebedarfskennwerte (für End- und Primärenergie) werden rechnerisch auf der Grundlage von Baujahr, Bauunterlagen, technischen Gebäude- und Heizungsdaten und unter Annahme von standardisierten Randbedingungen (Klimadaten, Nutzerverhalten, Raumtemperatur etc.) berechnet. Es sind keine Messungen, wie z.B. Wärmebilder erforderlich. Die Vorteile dieses Ausweises: Zum einen sind die Kennwerte unabhängig vom individuellen Heiz- und Wohnverhalten der Bewohner; zum anderen beziehen sich die Modernisierungsempfehlungen auf die konkrete Bausubstanz. Hinweis: Die Genauigkeit und damit die Aussagekraft des Ausweises hängen sehr vom Aufwand und von der Exaktheit der Datenaufnahme sowie von der Erfahrung des Ausstellers ab. Günstige Angebote können also zu Lasten der Genauigkeit gehen.
  • Auf Grundlage des gemessenen Energieverbrauchs des Gebäudes (nachfolgend „Verbrauchsausweis“ genannt):
    Der Energieverbrauchskennwert (für Endenergie) wird rechnerisch auf der Grundlage von Heiz- und ggf. Warmwasserkosten nach der Heizkostenverordnung oder anderer geeigneter Verbrauchsdaten des gesamten Gebäudes ermittelt. Über Klimafaktoren werden die Verbrauchsdaten auf einen deutschlandweiten Mittelwert umgerechnet, sodass zum Beispiel besonders harte Winter nicht zu einer schlechteren Bewertung des Gebäudes führen. Die Nachteile dieses Ausweises: Zum einen sind die Kennwerte abhängig vom individuellen Heiz- und Wohnverhalten der Bewohner; zum anderen sind die Modernisierungsempfehlungen eher allgemeiner Art.

    Aufgrund des wesentlich geringeren Aufwands bei der Datenerhebung ist der Verbrauchsausweis günstiger zu haben als der Bedarfsausweis. Die Aussagekraft ist jedoch ebenfalls wesentlich geringer.

    Bis zum 1. Oktober 2008 bestand für alle Gebäude Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis. Sie besteht weiter für Wohngebäude mit mehr als vier Wohneinheiten, unabhängig von deren Baujahr sowie für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, für die ein Bauantrag nach dem 1. November 1977 gestellt worden ist.

    Für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, für die ein Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt worden ist, müssen seit dem 1. Oktober 2008 Bedarfsausweise erstellt werden. Eine Ausnahme gilt für Wohngebäude aus dieser Zeit, die entweder schon bei der Baufertigstellung den energetischen Stand der ersten Wärmeschutzverordnung vom 11.08.1977 aufwiesen oder durch Modernisierungsmaßnahmen auf diesen Stand gebracht wurden. In diesen Fällen besteht ebenfalls Wahlfreiheit.

    Tipp

    Falls allein auf die Kosten geschaut wird: Am billigsten ist sicher der Verbrauchsausweis. Ist jedoch eine Modernisierung geplant, so empfiehlt sich der Bedarfsausweis. Er kann konkretere Hinweise auf die Schwachstellen des Gebäudes geben und als Grundlage für eine weiter gehende Beratung dienen. Nach erfolgter Modernisierung kann er mit begrenztem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht werden und den verbesserten Standard des Gebäudes dokumentieren. Der Verbrauchsausweis dagegen kann frühestens drei Heizperioden nach Modernisierung auf den verbesserten Standard aktualisiert werden. Bei Verkaufsverhandlungen dürfte der Bedarfsausweis ein verlässlicheres Dokument der energetischen Qualität des Gebäudes darstellen als die im Verbrauchsausweis umgerechneten Heizkostenbelege.

    Gilt der Energieausweis für eine Wohnung oder nur für das ganze Gebäude?

    Der Energieausweis wird für das ganze Gebäude ausgestellt und stellt den Durchschnittswert dar. Einzelne Wohnungen können je nach Beschaffenheit und Lage im Gebäude deutlich vom Durchschnittswert abweichen. Wohnungseigentümer in Eigentümergemeinschaften haben bei Verkauf oder Vermietung ihrer Wohnung gegen die Gemeinschaft einen Anspruch auf rechtzeitige Bereitstellung des Ausweises. Die Kosten sind von der Eigentümergemeinschaft zu tragen.

    Wie lange ist ein Energieausweis gültig?

    Energieausweise gelten meist zehn Jahre ab Ausstellungsdatum. Nur wenn das Gebäude im Zusammenhang mit größeren Änderungen gemäß EnEV neu berechnet wird, ist ein neuer Ausweis auszustellen.

    Form des Ausweises

    Energieausweise, die nach dem 25. April 2007 ausgestellt werden, müssen den Vorlagen der zum Zeitpunkt der Ausstellung geltenden EnEV entsprechen, vom Aussteller mit Name, Anschrift und Berufsbezeichnung versehen und eigenhändig oder durch Nachbildung der Unterschrift unterschrieben sein. Farbausdruck ist nicht vorgeschrieben. Früher ausgestellte Wärmebedarfsausweise oder Energiepässe, die nach EnEV als Energieausweise anerkannt werden, können in der damals gültigen Form verwendet werden.

    Welche früheren Energiepässe, Wärmepässe etc. werden anerkannt?

    Auch Wärme- oder Energiebedarfsausweise, wie sie bei Häusern ab Baujahr 1995 eigentlich vorliegen müssten, werden als Energieausweise anerkannt, ebenso Energiepässe, die im Feldversuch der Deutschen Energieagentur (dena) erstellt wurden. Auch diese gelten ab Ausstellung 10 Jahre lang.

    Verpflichtet der Energieausweis zur Verbesserung der Wärmedämmung?

    Nein, der Ausweis dokumentiert lediglich den Ist-Zustand. Auch die EnEV selbst fordert nur in wenigen Fällen eine Nachrüstung. Aber: auch ohne gesetzliche Verpflichtung sind Eigentümer von Gebäuden mit hohem Energiebedarf gut beraten, durch Wärmedämmung oder moderne Heiztechnik die Bewertung im Energieausweis zu verbessern.“

  • Nachweislink http://www.vz-nrw.de/Der-Energieausweis-Steckbrief-fuer-Wohngebaeude-1

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